DATZ 1/2020

DATZ startet in eine neue Ära. Nachdem der langjährige Chefredakteur Rainer Stawikowski sich zum Ende des vergangenen Jahres in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat, tritt Sebastian Wolf seine Nachfolge an. Für viele Leser bekommt die DATZ-Redaktionsleitung damit ein neues und möglicherweise auch unbekanntes Gesicht. Dabei bringt Wolf als studierter Biologe sicherlich die besten fachlichen Voraussetzungen für seine neue Rolle mit und kann auch bereits auf eine umfassende vivaristische Biografie zurückblicken. Um den fließenden Generationswechsel perfekt zu machen, liefert Stawikowski gleich nochmal einen Cameoauftritt und führt mit Wolf ein Interview zu seinem vivaristischen Werdegang. Lesen Sie hierzu gerne auch die Portraits auf Seite 19 in der aktuellen Ausgabe von VDA-aktuell!

Wenngleich Layout und Aufmachung der Zeitschrift dem Leser in gewohnter Weise erscheinen, so gibt es doch auch Änderungen, die mit dem Redaktionswechsel verbunden sind. Als wichtigste Neuerung hält die Terraristik wieder Einzug in das Magazin. An dieser Stelle sei die Frage gestattet, wofür das „T“ in „Die Aquarien- und Terrarien-Zeitschrift (DATZ)“ eigentlich all die Jahre ohne Terraristik stand? „Die Aquarien- und Teich-Zeitschrift“!? Wie dem auch sei. Zukünftig wird in DATZ jedenfalls wieder über Schlangen, Echsen und andere Landbewohner zu lesen sein. Die interdisziplinär interessierten Vivarianer wird das sicherlich freuen. Ich für meinen Teil ziehe ein aquatisches Themenspektrum allerdings vor und auch in der übrigen Aquaristik-Szene dürfte diese Änderung durchaus ein geteiltes Echo finden. Aber wir lassen uns überraschen. Den (Neu)anfang macht im aktuellen Heft jedenfalls ein Beitrag über die Westliche Hakennasennatter von Kriton Kunz.


Die erste DATZ im neuen Jahr widmet sich aber vor allem den Schnecken. Dazu legt der neue Chefredakteur höchstselbst einen umfangreichen und sehr lesenswerten Titelbeitrag über Süßwasserschnecken aus der Gattung Thylomelania vor. Während diese Schnecken vor rund 10 Jahren mit dafür sorgten, dass das die Süßwasseraquaristik die indonesische Insel Sulawesi für sich entdeckte, widmet sich Ingo Seidel in einem weiteren Beitrag den schleimigen Vertretern, die ihren großen Durchbruch in der Süßwasseraquaristik wahrscheinlich erst noch vor sich haben und teilweise eher unbekannt sind. Hintergrund hierzu ist ein EU-weites Verbot für die Weitergabe und den Handel mit den bisher so beliebten südamerikanischen Apfelschnecken aus der Gattung Pomacea, die auch in allen möglichen Farbzüchtungen verbreitet waren. Seidel stellt in seinem Artikel nun legale Alternativen vor, die frei gehandelt werden dürfen. Zum Abschluss des Titelthemas bespricht Werner Baumeister Wasserschnecken, die für die Haltung im Meerwasseraquarium in Frage kommen. Die Arten- und Formenvielfalt ist in diesem Bereich allerdings so umfassend, dass es vorerst bei einem Überblicksartikel bleiben muss.


Darüber hinaus setzt die neue DATZ auf Altbewährtes. Oder vielmehr auf Altbewährte, zumindest was die Autorenschaft anbelangt. So steuert Allzweckwaffe Uwe Werner wieder einmal einen Beitrag über einen der von ihm so geliebten mittelamerikanischen Großcichliden bei; im vorliegenden Fall handelt es sich um den Roten Tigerbuntbarsch Parachromis motaguensis. Der Beitrag ist auch für nicht-Cichliden-Fans durchaus interessant und illustriert unter anderem wie spannend die Verbindung zwischen praktischer Aquaristik und „gelebter Taxonomie“ sein kann, um einem ganz bestimmten Fisch auf die Spur zu kommen. Ich selbst durfte Uwe Werner erst kürzlich bei einem Vortrag im Zooaquarium Berlin erleben, wo er ebenfalls über seine Reisen nach Lateinamerika berichtete.


Ansonsten kommt man im Heft an Uwe Dost nicht vorbei. In zweit Artikel liefert er Fortsetzungen zu einem Beitrag über die aquaristisch eher weniger geeigneten aber umso interessanteren Knochenhechte und zu ungewöhnlichen Höhlenbiotope in Südfrankreich. Letztere sollten besonders das wechselwarme Herz von Amphibienfreunden höherschlagen lassen aber auch darüber hinaus zeigt der Beitrag auf, welche beeindruckenden Naturräume es innerhalb Europas zu bewundern gibt.


Alles in allem kann man Sebastian Wolf also durchaus zu einem gelungenen Debut-Heft gratulieren. Gleichzeit darf man aber auch auf ein wenig frischen Wind und einen gewissen Mut zu einer wohldosierten Veränderung hoffen. Und ganz bestimmt braucht es auch einige Zeit, um einen eigenen Stil zu verankern und neue Akzente zu setzen. In jedem Fall aber kann man gespannt sein, auf die weitere Entwicklung von Deutschlands traditionsreichster Aquaristikzeitschrift. Es sind große Fußstapfen, die da zu betreten sind!


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