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Kippt der Amazonas? Und wie helfen Wildfänge eigentlich dem Artenschutz?

3 Min. Lesezeit von jakob olszewski 1736 Mal gelesen

Die ungewöhnliche Dürre im Amazonasgebiet hält weiter an, obwohl im Dezember 2023 normalerweise die Regenzeit hätte beginnen sollen. So wächst die Sorge, dass das einzigartige Ökosystem durch Hitze, Trockenheit und Abholzung an einen gefährlichen Kipppunkt geraten könnte. Der Regenkreislauf der Region würde in diesem Fall zusammenbrechen, die Folgen beträfen dann nicht nur Argentinien, Uruguay und Paraguay…

Weltweite Auswirkungen

Auch wir hier in Deutschland müssen ein solches Szenario fürchten, denn die Auswirkungen für das globale Klima wären enorm. Fakt ist: Die Böden und Pflanzen des Regenwaldes speichern laut eines wissenschaftlichen Berichts von 2021 rund 150 bis 200 Milliarden Tonnen Kohlenstoff, dies sind umgerechnet rund 550 bis 734 Milliarden Tonnen CO2. Ein beträchtlicher Teil davon würde nach Überschreiten eines Kipppunkts sukzessiv freigesetzt.

Das sagen Forschende

Auf der Website Science Media Center Germany wurden Expertinnen und Experten zum Thema befragt, der entsprechende Artikel erschien am 02.01.2024. Boris Sakschewski ist wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Arbeitsgruppe Ecosystems in Transition am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), er sieht einen Kipppunkt bei einer Erwärmung von zwei bis sechs Grad Celsius im Vergleich zum vorindustriellen Niveau erreicht. Laut Sakschewski kann auch die fortschreitende Abholzung dazu führen, dass der Regenwald kippt. Laut Florian Wittmann, Professor für Auenökologie am Karlsruher Institut für Technologie, hängen die Schwellenwerte für einen Kipppunkt auch von den lokal wachsenden Baumarten ab. Laut Wittmann würde auf keinem Fall der gesamte Regenwald kippen, sondern vor allem jene Regionen, „die sich an der Grenze des Regenwaldklimas befinden – vor allem in Süd- und Ostamazonien“. Rosa Román-Cuesta, Tropenwaldökologin und Gastwissenschaftlerin an der Technischen Universität München, sagt: „Wäre ich gefragt worden, welche biosphärischen Kipppunkte am stärksten vom Mega-El Niño im Jahr 2023 betroffen sind, hätte ich nicht den Amazonas gewählt. Aus Gründen, die mit der Dringlichkeit der Kippreaktion oder dem globalen Beitrag zum Treibhausgasbudget zusammenhängen, hätte ich zuerst die Warmwasserkorallenriffe und dann die borealen Systeme ausgewählt.“

Wildfänge sind wichtig für den Artenschutz

Die Tierhalterinnen und Tierhalter hier in Europa können sich natürlich kein objektives Bild der Lage am fernen Amazonas machen. Klar ist, dass allen verantwortungsbewussten Tier- und Naturfreunden das Schicksal dieser einmaligen Ökosysteme am Herzen liegt. Der Ex-Situ-Artenschutz ist eine gute Möglichkeit, den  immer fragileren Ökosystemen im Amazonas zu begegnen. Die Koordination und Umsetzung von Zuchtprogrammen außerhalb natürlicher Lebensräume fallen unter den Begriff Ex-Situ-Artenschutz, sie bedeuten Artenschutz im Zoo und bei privaten Haltern. Die Verantwortung der Zoos für den Erhalt bedrohter Tierarten ist auch im Bundesnaturschutzgesetz beschrieben. Unter artgemäßer Haltung und Wahrung genetischer Diversität wird so auch die weitere Entnahme von Tieren aus Wildbeständen vermieden. Sofern möglich, sollen die Nachzuchten irgendwann wieder in ihren ursprünglichen Lebensraum angesiedelt werden. 

Private Tierhaltung hilft dem Artenschutz

Fest steht: Wer hier bei uns in Deutschland im Aquarium oder Terrarium bedrohte Arten pflegt und sie erfolgreich vermehrt, hilft, den Genpool dieser bedrohten Tiere zu erhalten und fördert so aktiv den Artenschutz. In Bezug auf die Tierarten im Amazonas können deshalb auch Wildfänge helfen, das Überleben einer Art langfristig zu sichern.

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