Wegweisendes Rahmenwerk für den Schutz Südostasiatischer Süßwasserfische

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Aerial view of Jeju Island, South Korea

Das von „IUCN SSC ASAP, SHOAL, und Mandai Nature“ gemeinsam entwickelte „Strategische Rahmenwerk zur Beschleunigung dringender Erhaltungsmaßnahmen für ASAP-Süßwasserfische“ liefert wertvolle Informationen für den Erhalt akut bedrohter südostasiatischer Süßwasserfische (Patricio et al. 2023: 2 & 7). Bei ASAP handelt es sich um eine Partnerschaftsplattform der Species Survival Commission (SSC) der IUCN. Ihr Ziel ist es, das Artensterben in Südostasien zu beenden (ebd.: 7). In diesem Artikel werden einige Maßnahmen, mit denen Aquarianerinnen und Aquarianer einen Beitrag zum Schutz dieser Arten leisten können, zusammengefasst.

Das Rahmenwerk nennt neben staatlichen und lokalen Akteuren auch engagierte Aquarianerinnen und Aquarianer als wichtige Verbündete für den Artenschutz und identifiziert Arten, bei denen der Aufbau und die Koordination von Ex-Situ Populationen wünschenswert wäre (ebd.: 10, 16, 32, 35, 38-42). Die überwiegende Mehrheit der in dem Rahmenwerk thematisierten Arten treten nur endemisch, oft an nur einem einzigen Standort, auf (ebd.: 8, 23, 29). Daher sind laut dem Rahmenwerk neben gezielten Maßnahmen zum Schutz dieser Habitate auch koordinierte Erhaltungszuchtmaßnahmen erforderlich (ebd.: 9 f., 16, 28 f., 38).  Die Nachzucht außerhalb des natürlichen Lebensraums wurde bei etwa der Hälfte dieser Arten als sinnvoll eingestuft (ebd.: 14, 29). Hier können die Mitglieder des VDA einen wichtigen Beitrag sowohl bei der Erhaltungszucht selbst als auch durch die Bereitstellung von Informationen zur erfolgreichen Pflege und Nachzucht gefährdeter Arten leisten (ebd.: 7 f.). Unter diesen Arten befinden sich beispielsweise Betta-Arten, Reisfische und Regenbogenfische (ebd.: 24, 32 f., 39-42). Näheres zu diesen und anderen Arten findet sich im Rahmenwerk selbst (ebd.: 39-42). Für Organisationen, die sich langfristig am Schutz südostasiatischer Wirbeltiere beteiligen wollen, könnte ein Beitritt zur ASAP-Partnerschaft sinnvoll sein. Diese bietet unter anderem den Vorteil der Vernetzung mit den anderen ASAP-Mitgliedern und Fördermittel für entsprechende Projekte (IUCN SSC ASAP o. J.: 4).

Allerdings wird in dem Rahmenwerk auch auf die Gefahr durch den Fang bereits seltener Fische für den Zierfischhandel hingewiesen (ebd.: 16, 35). Obwohl die größte Bedrohung für die in dem Rahmenwerk behandelten Arten von der Zerstörung ihrer Lebensräume ausgeht, ist jede weitere Verringerung der Bestände bereits bedrohter Arten eine Gefahr für ihren Erhalt (ebd.: 20, 35). Daher ist auch eine Verbesserung der Kontrolle des Zierfischhandels bei einigen Arten nötig, um nicht nachhaltigen Fischfang zu verhindern (ebd.: 10, 35). Jedoch werden auch die Vorteile eines nachhaltigen Zierfischfangs gesehen, denn hierdurch könnte auch die lokale Bevölkerung besser von intakten Habitaten profitieren und so eher für deren Schutz gewonnen werden (ebd.: 16, 35). Es gilt also, beim Kauf von Zierfischen auf seriöse Quellen zu achten und Nachzuchten zu bevorzugen und zu fördern.

Auch durch die Verbreitung von Wissen über (potenziell) gefährdete Fischarten und ihre Bedeutung für Ökosysteme und Menschen vor Ort können Vereine und Verbände der Aquaristik zum Artenschutz beitragen (ebd.: 7 f. & 25). Zudem können sie den Blick von Politik und Öffentlichkeit auch auf Bedrohungen, die für aquatische Lebewesen (insbesondere Süßwasserspezies) bestehen, lenken. Denn das Rahmenwerk betont, dass der Schutz von Süßwasserfischen auch seitens Umweltschutzakteuren und Politik oft wenig Beachtung findet (ebd.: 7 & 25). Da dem Rahmenwerk zufolge ein Großteil der thematisierten Arten in erster Linie durch die Zerstörung ihrer Lebensräume bedroht wird und auch der Klimawandel eine erhebliche Gefahr für die Artenvielfalt ist, können wir alle täglich einen kleinen Beitrag zum Schutz zahlreicher Arten leisten (ebd.: 20 f. f., 26, 35 f.). So stellt beispielsweise die Palmölproduktion in Monokulturen unter Einsatz von Pestiziden und Herbiziden laut Rahmenwerk eine erhebliche Bedrohung insbesondere der torfsumpfwaldbewohnenden Schwarzwasserspezies Malaysias und Indonesiens dar (ebd.: 32, 36). Ein Meiden nicht nachhaltig produzierten Palmöls trägt also auch zum Schutz dieser Arten bei. Allerdings müssen viele Maßnahmen (auch) auf politischer Ebene umgesetzt werden, um ausreichend effektiv zu sein (ebd.: 15). Auch hier kann sich jede und jeder einzelne engagieren.

Verwendete Literatur

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