Thema Weltwassertag:

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Warum die Amphibienkrise ein politisches Thema ist Derzeit beginnt überall im Land die Fortpflanzungsperiode unsere einheimischen Amphibien und so ist der weltweit ausgerufene Weltwassertag ein Grund den Blick einmal auf diese Tiergruppe und damit auf eine ökologische Katastrophe richten, die sich mittlerweile in beinahe jedem Tümpel, jedem Bach, jedem Sumpf unseres Globus abspielt. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt und von der Politik weitesten gehend ignoriert. Die Rede ist vom weltweiten Überlebenskampf der Amphibien, der Frösche, Kröten, Unken, Molche, Salamander und Wühlen.

Allein in den letzten 20 Jahren wurden 3.000 bis dato unbekannte Amphibienarten neu entdeckt, so dass im März 2022 mittlerweile 8.444 Arten von Frosch-, Schwanz- und Schleichenlurchen wissenschaftlich erfasst sind. Allein im noch jungen Jahr 2022 wurden schon wieder 12 neue Arten beschrieben, Tendenz steigend. Aber zugleich sind Amphibien die am stärksten vom Aussterben bedrohte Tierklasse. Schon 2012 galten 41% aller Amphibienarten weltweit als bedroht, 34 Arten gelten bereits als ausgestorben, bei vielen Arten ist die Datenlage mehr als dürftig. Die Gründe für ihre Bedrohung sind vielfältig. Insbesondere die globale Zerstörung ihrer Lebensräume (Bäche, Tümpel, Sümpfe, Feuchtwiesen, Regenwälder, usw.) durch den Menschen bedroht ihre Existenzgrundlage. Hinzu kommen klimatische Veränderungen und die Bedrohung durch weltweit verbreitete Chytridpilze. Angesichts des dramatischen und beispiellosen Rückgangs der weltweiten Amphibienbestände spricht man längst von der globalen Amphibienkrise.

Warum sollten sich Öffentlichkeit und Politik dieses Themas annehmen?

Reicht es nicht, dass sich Ökologen und Fachleute darum kümmern? Ich meine nein. Denn die Amphibienkrise bedroht nicht nur die Artenvielfalt. Sie hat auch gravierende Auswirkungen auf uns Menschen. Ein Beispiel: Nach dem Verschwinden der Amphibien, so zeigen wissenschaftliche Forschungen aus Nordamerika (http://link.springer.com/article/10.1007%2Fs13157-011-0198-z), vermehren sich Stechmücken in Feuchtgebieten explosionsartig. In einem intakten Ökosystem verhindern die hungrigen Amphibien eine solche Mückenplage, denn Mücken und ihre Larven sind eine begehrte Nahrung für Molche, Frösche und Co. Davon profitieren auch wir Menschen, denn Mücken fungieren in vielen Weltregionen als Krankheitsüberträger. Auf den Punkt gebracht lautet die Gleichung daher: Je weniger Amphibien die Tümpel, Teiche und Feuchtwiesen bevölkern, desto mehr Mücken verbreiten sich von dort, und desto größer sind die gesundheitlichen Risiken für die Menschen. Allein schon deshalb ist der Schutz von Amphibien wichtig! Ihr Aussterben muss verhindert werden!

Da das globale Amphibiensterben vielschichtige Ursachen hat, muss auch eine Politik, die dies aufhalten und verhindern soll, an verschiedenen Ursachen ansetzen. Die unkontrollierte und rasende Zerstörung der Lebensräume von Amphibien durch Waldrodungen, Trockenlegungen und Bebauungen muss gestoppt werden. Wenn beispielsweise durch ein Bauprojekt natürliche Wanderrouten von Amphibien zerschnitten werden, muss in der Bauplanung von Beginn an für Abhilfe gesorgt werden. Bei Straßenbauten kann dies etwa durch deren Untertunnelung oder Überbrückung mit Amphibientrassen geschehen.

Insgesamt bedarf es deutlich mehr politischen Drucks der Vereinten Nationen auf die einzelnen Mitgliedsstaaten, um den Amphibienschutz zu einer wichtigen Aufgabe zu machen. Bislang spielt die Amphibienkrise in den internationalen politischen Gremien kaum eine Rolle. Das ist umso erstaunlicher, als die Rolle von Amphibien als Vorbild für biotechnologische, genetische und pharmazeutische Entwicklungen (beispielsweise bei der Herstellung von Medikamenten nach dem Vorbild von Amphibiensekreten) längst hinlänglich bekannt sind.

Dem vor einigen Jahren gegründeten Weltbiodiversitätsrat (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES, http://www.ipbes.net/) kommt in diesem Zusammenhang deshalb eine besondere Bedeutung zu. Die Rettung insbesondere der tropischen Amphibienvielfalt kann nicht als isoliertes Problem betrachtet werden. Sie ist eng mit globalen politischen Herausforderungen verbunden, insbesondere mit der prekären sozioökonomischen Situation der Bevölkerung in vielen Ländern des Südens. Hierfür müssen nachhaltige Konzepte der Entwicklungshilfe vorangetrieben werden, die eine Koexistenz von Menschen und Amphibien ermöglichen.

Da es nicht gelingen kann, kurzfristig alle bedrohten Amphibienlebensräume zu retten, muss eine Ad hoc-Strategie entworfen werden, um schnellstmöglich das Aussterben weiterer Arten zu verhindern und ihr Überleben zumindest in Menschenhand zu sichern. Ziel einer solchen Strategie muss es sein, als eine Arche zu fungieren, damit die betroffenen Arten zu einem späteren Zeitpunkt wieder in der Natur angesiedelt werden können. Das nicht staatliche Projekt Amphibian Ark ist auf diesem Gebiet schon sehr erfolgreich (http://www.amphibianark.org/?lang=de). Angesichts der großen Zahl bedrohter Amphibienarten stellt sich für die Naturschutzbiologie momentan das moralische Dilemma, Entscheidungen darüber fällen zu müssen, welche Amphibien durch Erhaltungszuchtprogramme gerettet werden sollen und welche Arten man sehenden Auges aussterben lässt. Hier bedarf es dringend politischer Entscheidungen auf internationaler Ebene über ein globales Arterhaltungsprogramm, welches zwar auf wissenschaftlicher Expertise beruht, aber die Rettung der Amphibien als politische und somit gesamtgesellschaftliche Aufgabe begreift.

Zusammengefasst: Die Amphibienkrise ist global, in ihrem Ausmaß beispiellos und sie geht uns alle an. Wenn seitens der Politik zügig geeignete Schritte ergriffen werden und die Rettung der Amphibien zu einer gesellschaftlichen Aufgabe wird, kann es gelingen, die Vielfalt von Frosch, Salamander und Co. zu erhalten.

Text: Jens Crueger /Fotos: Kathrin Glaw

Mit herzlichen Grüßen

Kathrin Glaw
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