Europäische Molche und Salamander durch Pilz gefährdet

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  • Europäische Molche und Salamander durch Pilz gefährdet.

    Am 31. Oktober 2014 erschien im Fachmagazin „Science“ eine Arbeit eines belgischen Wissenschaftsteams (sciencemag.org/content/346/6209/630.short), in der auf die Gefährdung der weltweiten Populationen von Molchen und Salamandern durch eine vermutlich aus Asien stammende Pilzart Batrachochytrium salamandrivorans hingewiesen wird.

    Diese Krankheit wurde erst von Kurzem entdeckt und wurde auch schon in frei lebenden Beständen von Feuersalamandern in den Niederlanden und Belgien nachgewiesen. Infektionsversuche an verschiedenen Amphibienarten gaben Hinweise auf die Gefährdung der unterschiedlichen Arten.

    Während die Krankheit bei einigen getesteten europäischen Molchen und Salamandern stets tödlich verlief, waren asiatische Arten, wie der bekannte Feuerbauchmolch, anfällig, starben aber nicht immer, was die Forscher vermuten lässt, dass die Krankheit in Asien ihren Ursprung hat und sich die dort lebenden Arten zum Teil an die Infektion anpassen konnten.

    Der VDA-Präsident, Dr. Stefan K. Hetz, fragte bei Professor An Martel in Belgien nach, welche Konsequenzen die Hobbytierhalter in Deutschland aus den Ergebnissen der Arbeit ziehen sollten.

    VDA: Professor Martel, ich habe Ihre heute in Science erschienene Arbeit über B. salamandrivorans gelesen. Als Wissenschaftler und ehemaliger Hobby-Herpetologe und mehr noch als Präsident des VDA bin ich besorgt über eine mögliche Verbreitung von Infektionskrankheiten aus infizierten Hobbybeständen in die Natur. Können Sie uns einige Hinweise geben, wie wir mit den Beständen in unseren Aquarien richtig umgehen, um mögliche Übertragungen in die Natur zu vermeiden? Dazu vielleicht ein paar Fragen:

    VDA: Welche Tiere welcher Herkunft können mit dieser Krankheit infiziert sein?

    Martel: Da der Pilz in Asien endemisch ist, können asiatische Schwanzlurche eine Infektion aufweisen. Jedoch sollte man vorsichtig sein, denn auch Schwanzlurche, die, zum Beispiel bei einem Händler, Kontakt zu asiatischen Schwanzlurchen hatten, können infiziert sein.

    VDA: Wie kann der Halter feststellen, dass die Tiere infiziert sind?

    Martel: Das geht ähnlich wie bei der Froschseuche B. dendrobatidis (Chytrid-Pilz). Man macht einen Abstrich von der Haut an Bauch und Extremitäten indem man je 10 mal mit dem gleichen Wattestäbchen über diese Stellen fährt. Dieser Abstrich kann in einem Labor mit der Methode der quantitativen Echtzeit-PCR auf den Pilz getestet werden.

    VDA: Wie kann ich infizierte Tiere behandeln?

    Martel: Da der Pilz keine Temperaturen von 25°C für 10 Tage überlebt, kann diese Behandlungsmethode für die Tiere, aber auch für Einrichtungsgegenstände, Aquarien, Terrarien usw. verwendet werden. Danach sollte man durch einen Hautabstrich testen, ob die Tiere seuchenfrei sind.

    VDA: Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte ich treffen, um eine weitere Infektion von Schwanzlurchen in meinem Bestand und - vor allem und besonders wichtig - in der Natur auszuschließen?

    Martel: Man muss vor allem sicherstellen, dass ein direkter oder indirekter Kontakt zwischen den verschiedenen Aquarien oder Terrarien nicht stattfinden kann. Wenn Tiere positiv getestet wurden, darf kein Wasser, Einrichtungsgegenstand oder Zubehör ohne Desinfektion entsorgt werden. Als Desinfektionsmittel eigenen sich verschiedene gebräuchliche Mittel, die Sauerstoff freisetzen oder Mittel auf Natriumhypochloritbasis. Als Alternative bleibt die Behandlung bei 25°C über 10 Tage.

    Letzte Woche traf der VDA-Präsident den bekannten, auf Amphibienkrankheiten spezialisierten Berliner Tierarzt, Dr. Frank Mutschmann und nutzt die Gelegenheit, um für Terrarianer praktische Tipps zum Umgang mit dieser neuen Seuche zu bekommen.

    VDA: Herr Dr. Mutschmann, diese Krankheit ist ja relativ neu. Kann man den Pilz in Deutschland schon zuverlässig nachweisen?

    Mutschmann: Der Erreger kann am lebenden Tier zuverlässig mittels PCR nachgewiesen werden. Hierfür sind Tupferproben von der äußeren Haut (Gliedmaßen, Unterseite Rumpf) einzusenden. Bei verendeten Tieren ist auch ein histologischer Nachweis möglich.

    VDA: Funktioniert das auch in Ihrer Praxis? Können den Erreger auch mittels PCR nachweisen?

    Mutschmann: Ja, wir sind als Labor Exomed (exomed.de) seit Jahren mit dem Chytridnachweis vertraut und können B. salamandrivorans seit dem vorigen Jahr sicher nachweisen.

    VDA: Eine Frage noch zur Desinfektion: Welche Mittel sind für den Terrarianer geeignet, um Terrarien und Einrichtungsgegenstände zu desinfizieren?

    Mutschmann: Am einfachsten ist das Erhitzen und Austrocknen. Bei Temperaturen über 30°C und entsprechender Trockenheit stirbt B. salamandrivorans ab, B. dendrobatidis jedoch erst bei höheren Temperaturen über 37°C. Am besten ist es, sicherzugehen und Gegenstände über 60°C für ca. 30 Minuten zu erhitzen. Ist eine Wärmebehandlung nicht möglich, können fungizide Desinfektionsmittel (in der Apotheke oder beim Tierarzt erfragen) oder 10%ige Löschkalklösungen verwendet werden. Wichtig ist es, den Tierkontakt zu Desinfektionsmitteln oder deren Rückständen unbedingt vermeiden. Bei Desinfektionsmitteln sind die Konzentration und Einwirkzeiten genauestens zu beachten.

    Der VDA dankt Professor Martel und Dr. Mutschmann für die wichtigen Informationen.

    Dr. Stefan Hetz – VDA-Präsident

    Nachtrag (25. April 2016)
    Hier ist eine Seite, die mehr Informationen zum neueartigen Pilz zur Verfügung stellt.

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