Unterschiedliche Fische - unterschiedliche Ansprüche

Wie die Pflanzen, so stellen auch die Fische mehr oder weniger spezielle Ansprüche, unter denen sie sich wohl fühlen. Dabei rangieren die Wasserverhältnisse, Temperatur, pH-Wert, Härte und Wasserbewegung mit an erster Stelle. Aber auch der zur Verfügung stehende Schwimmraum, die Höhe des Beckens, die Einrichtung und die Beleuchtungsintensität sind zu berücksichtigen.

  

Skalaren sollte man ein möglichst hohes Becken (um 60 cm) bieten.


Die Vielfalt der Fische kann man aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln sehen: So werden zwar in der Regel kleinere Arten von etwa 4 bis 10 Zentimeter Gesamtlänge gepflegt, doch bietet die heutige Aquarientechnik durchaus die Möglichkeit, auch noch Arten von 30 cm Größe und mehr passable Bedingungen zu bieten. Natürlich kann man solche Tiere nur in großen Becken halten, was vor allem für besonders schwimmfreudige Arten gilt, die unter natürlichen Bedingungen ausdauernd und wendig in stark bewegtem, strömendem Wasser schwimmen und andere, die aus weniger stark fließendem Wasser, Seen, Teichen oder sogar Pfützen stammen, eher träge wirken und jene Ruhe ausstrahlen, die man nach der Klischeevorstellung des "beruhigenden" Aquariums von ihnen erwartet.

  

Diese Kugelfische - Monotrete abei - werden zwar recht groß, sind aber nicht schwimmfreudig, halten sich in Bodennähe auf und kommen schon in 100 l Wasser zurecht.    

         

Aus der natürlichen Lebensweise ergeben sich fast immer morphologische Unterschiede, sodass man schon am Körperbau erkennen kann, wie oder wo sie leben. Da gibt es schlanke Freiwasserfische, die sich auch im Aquarium ständig im freien Schwimmraum aufhalten, also mehr oder weniger die mittleren Wasserschichten bevölkern, während solche mit gerade Rückenlinie ausgesprochene Oberflächenbewohner sind, die in der Natur häufig von Flug- oder Wasserinsekten und deren Larven leben und sich gern zwischen Schwimmpflanzen tummeln. An den Mäulern mancher Arten erkennt man, dass sie gerne im Sand gründeln oder substratgebunden auf Pflanzen, Wurzelholz oder Steinen leben. Wieder andere halten sich gerne versteckt, sitzen unter oder zwischen Steinen, lauern zwischen Pflanzen, unter Wurzeln und in ausgespülten Uferböschungen auf Beute oder graben sich teils geräumige, teils röhrenförmig enge Höhlen im Schlamm oder Sand, um jederzeit untertauchen zu können. Viele Arten sind mehr oder weniger territorial, besetzen also ein bestimmtes Gebiet, das sie gegen andere Fische - vor allem aber gegen Artgenossen - heftig verteidigen.


Auch kleine Buntbarsche (Zwergbuntbarsche) - hier Apistogramma uaupesi - verteidigen ihr Revier recht vehement.


Auch die Männchen dieses Lebendgebärenden Zahnkarpfen (Ameca splendens) besetzen ein Revier und verjagen andere Männchen.


Territoriale und "aggressive" Fische

Dass territoriales Verhalten im Aquarium zwangsläufig zu Schwierigkeiten führt, wird sicherlich einleuchten. Leider gesteht man den Fischen aber nicht in allen Fällen gerne zu, dass sie sich so verhalten, wie es ihrer natürlichen Lebensweise entspricht und so neigt man beispielsweise auch dazu, territoriale Arten als aggressive Fische zu bezeichnen, während andere, die in der Natur und im Aquarium normalerweise "schulen", sich also mehr oder weniger zu Gruppen oder Schwärmen zusammenschließen und gemeinsam umherziehen, als friedlich und harmlos ansieht. Dabei vergisst man die Natur der Fische. Oft zieht man auch den falschen Schluss, dass räuberisch lebende Arten besonders aggressiv sind, während man Fische, die sich auf andere Weise (beispielsweise von Pflanzen) ernähren, als friedliche Arten einstuft. Eine solche Verbindung herzustellen, ist völlig falsch: Nahrungserwerb und Aggressivität haben nichts miteinander zu tun - und oft erweisen sich gerade größere räuberische Arten als besonders zurückhaltend, während Pflanzenfresser unter ihren Aquarienmitbewohnern durchaus Angst und Schrecken verbreiten können…


Der Großbuntbarsch Vieja maculicauda bevorzugt pflanzliches Futter, kann aber heftig zubeißen.


Das belegen seine Kieferzähne.


Text: Uwe Werner